Das Pioniergebäude NXT ONE sollte das erste Gebäude eines neuen, innovativen Bürocampus nahe dem Flughafen in Berlin werden. Um die Messlatte für die folgenden Gebäude hochzuhalten, wurden in allen Gewerken hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit und Qualität gestellt. Die Holz-Hybridbauweise vereint ressourcenschonendes Bauen mit hohen Brand- und Schallschutzanforderungen. Grundrisse und Gebäudetechnik wurden flexibel gestaltet, sodass in allen 13 Einheiten des vierstöckigen Gebäudes Nutzer*innen mit verschiedensten Raumbedürfnissen Platz finden können. Bei einer Umnutzung von großen Vorlesungsräumen zu kleinteiligen Einzelbüros in einer Nutzeinheit, muss lediglich die Zuluftführung und die Elektrotechnik an den neuen Grundriss angepasst werden, Abluft und Heizung/Kälte bleiben unverändert.
Durch die Schallimmissionen der tieffliegenden Flugzeuge ist eine reine Fensterlüftung am Standort ohne Komforteinbusen nicht möglich, weshalb mechanische Lüftungsanlagen als dachaufgestellte Kompaktgeräte mit WRG und Direktverdampfer geplant waren. Für maximalen Nutzerkomfort wurde auf öffenbare Fenster dennoch nicht verzichtet. Die Zuluft wird jeweils in die Räume eingebracht, die Abluft jedoch zentral in den Flurbereichen abgesaugt, was eine Reihe an Vorteilen bietet:
Die notwendige Installationshöhe wird durch die obsoleten Abluftkanäle reduziert und die Kanalführung vereinfacht. Intensiver Umbaumaßnahmen der Lüftungsanlage bei Umnutzung kann so vermieden werden und zudem die Graue Energie, aufgrund einer geringeren Anzahl an Kanälen, im Gebäude reduziert werden.
Je nach Mieterausbau muss die Luft aus den Räumen mittels Überströmung die Wände überwinden. Für Einzel- und Mehrpersonenbüros wurden wandeingebaute Überströmelemente vorgesehen. Für größere Luftmengen in Besprechern oder Vorlesungsräumen reichte hierfür die Wandfläche nicht aus, weshalb in Zusammenarbeit zwischen Lüftungsplanung und Bauphysik schalldämpfende Überströmer mit geringem Druckverlust entwickelt wurden.
Der Sichtinstallation geschuldet wurden Düsenrohre als optimale Lufteinbringung vorgeschlagen und die Funktion mittels Mock-Up erfolgreich getestet, jedoch sollten aus Kostengründen Kanalgitter im Projektverlauf weiter geplant werden.
Die Lüftungsanlagen in Multifunktionsraum und Gastronomie sind an die speziellen Anforderungen sowie die Fachwerkträger im Erdgeschoss angepasst. WC-Räume, Duschen und Müllraum erhalten jeweils eine Abluftanlage.
Die Verschattung durch umlaufende Balkone reduziert die Kühllast im Sommer, jedoch ist durch den Verglasungsanteil der Fassade dennoch ein Kühlsystem notwendig. Mittels Heiz-Kühl-Deckensegel werden die Nutzeinheiten temperiert. Die Zuluftgitter strömen auf derselben Ebene in Richtung der Segel, was die thermische Leistung dieser erhöht.
Die hydraulische Zonierung ist kleinteilig, sodass in den meisten Umnutzungsszenarien keinerlei Umbauten an der Heiz- und Kühlanlage notwendig sind. Durch die Sichtinstallation sind alle Leitungen und Bauteile leicht zugänglich und revisionierbar, was auch Blicke auf die Holzdecke ermöglicht. Die Lüftungsanlagen strömen isotherm ein, sodass die Heiz- und Kühllasten größtenteils von den Segeln gedeckt werden, was deutliche energetische Einsparungen gegenüber dem Heizen und Kühlen mit Luft mit sich bringt.
In Verbindung mit thermischen Simulationen von Transsolar konnte nachgewiesen werden, dass gleichzeitiges Heizen- und Kühlen von Räumen einer Nutzeinheit nur während weniger Stunden im Jahr notwendig wäre. Der Bauherr konnte auf Basis dessen dahingehend beraten werden, dass ein 4-Leiter-System auf die Verteilung bis in die Nutzeinheit zu reduzieren. Da unterschiedliche Nutzeinheiten unterschiedliche Heiz- und Kühlbedarfe haben können, ist dies ein sinnvoller Kompromiss.
Nebenbereiche wie Sanitärräume, Umkleiden und Verkehrsflächen erhalten Heizkörper, welche wie die Metallsegel einfach rückbaubar sind.
Zur Deckung der hohen Heizlast wird im Gastraum der Gastronomie zusätzlich zu den Segeln eine Fußbodenheizung geplant, welche in der Küche zudem das Abtrocknen nach dem Nassreinigen beschleunigt.
Die Serverkühlung je Nutzeinheit wird wassergeführt über Umluftkonvektoren vorgesehen, die Möglichkeit zur Redundanz wird dem Nutzer mittels installierter Kältemittelleitungen gegeben.
Als Wärmequelle steht Geothermie in Form einer Grundwasser-Brunnenanlage zur Verfügung. Umweltenergie wird mit den Direktverdampfern der RLT-Geräte sowie zur Spitzenlastabdeckung und Redundanz der Kühlung mittels Rückkühlwerk nutzbar gemacht . Niedrige Grundwassertemperaturen ermöglichen einen sehr hohen Anteil an passivem Kühlen. Mittels hydraulisch umschaltbarer Wärmepumpe ist gleichzeitiges Heizen- und Kühlen möglich. Wärme- und Kälteströme werden so primär im Gebäude verschoben und nur die Bilanzüberschüsse mit der Umwelt ausgeglichen.
Der niedrige Warmwasserbedarf von wenigen Duschen und Waschtischen wird nicht über die Wärmepumpe sondern mittels elektrischer Durchlauferhitzer gedeckt, sodass die Vorlauftemperatur möglichst klein bleiben kann.
Da im Projekt auf ein Untergeschoss verzichtet wurde um Beton-Anteil so gering wie möglich zu halten wurde die Heizzentrale im Erdgeschoss angeordnet. Die Zentrale wurde dabei teilweise zweistöckig vorgesehen.
Um negative Einflüsse auf die Umwelt weiter zu reduzieren, wurde eine Regenwassernutzungsanlage zur Versorgung der WCs mit eigenem Wassernetz und Zählern geplant.
Im Projektteam wurde eine 3D-Planung eingesetzt, um eine optimale Abstimmung der verschiedenen Gewerke zu gewährleisten.